Beschäftigen wir uns einmal näher mit dem Thema Haltung, tauchen gleich mehrere Fragen auf...

Was ist eigentlich Haltung? Was machst sie mit uns? Wie beeinflusst sie uns und wie unser Gegenüber? Und wie wichtig ist zum Beispiel unsere Haltung für unseren Atem und unsere Stimme? Was haben wir davon, wenn wir uns  aufrichten?

Wenn ich „Haltung“ googel, bekomme ich zwei Deutungen:

  1. Art und Weise, besonders beim Stehen, Gehen oder Sitzen, den Körper, besonders das Rückgrat, zu halten; Körperhaltung, "eine gute, gebückte, gerade, aufrechte, nachlässige Haltung“
  2. Innere Grund]einstellung, die jemandes Denken und Handeln prägt; "eine sittliche, religiöse, liberale, progressive, konservative Haltung"

Schnell wird klar, dass mit "Haltung" sowohl eine äußere Haltung, die Körperhaltung und die Körperspannung, und eine Innere Haltung, unsere Einstellung zu Dingen und wie wir diese zeigen und äußern, gemeint sein kann.

Beide stehen in direktem Bezug zueinander. Beide sind voneinander abhängig. 

Wie du dich gut hältst, warum du dich aufrecht halten solltest und welche Übungen deine Haltung verbessern und unterstützen, das erzähle ich dir in diesem Beitrag.

Beginnen wir mit der äußeren Haltung, der Körperhaltung.

Das Kleid an einer Frau ist zu sehen, das Kleid schwingt durch die Drehung

Die Körperhaltung

Vielleicht wundert es dich, dass ich nun ausgerechnet dieses Bild zum Thema Körperhaltung ausgewählt habe. Wenn wir an "Haltung" denken, dann ist der Begriff oft negativ geprägt. Vielleicht hast du auch den Satz im Ohr: "Kind, steht aufrecht!" Gemeint war damit: Hacken zusammen, Gesäßbacken zusammen, Bauch rein, Brust raus, Schultern zusammen, Kopf hoch. 

Wenn du diese Haltung probehalber mal einnimmst wirst du feststellen, dass du jetzt vielleicht aufrechter steht, dass das aber eine ganz schön anstregende und verspannende Angelegenheit ist. Da sind die Schulter- und Nackenverspannungen schon vorprogrammiert. Zudem wirst du eine Überspannung bemerken, die zur Folge hat, dass auch das Zwerchfell und alle Muskeln die die Tongebung beeinflussen, überspannt sind. Dein Atem kann nicht frei fließen, deine Stimme klingt angestrengt..

Diese Haltung kommt  noch aus dem Preußentum und trotzdem ist sie in vielen Köpfen noch verankert. Sie ist starr, fest, verspannt, unbeweglich und hart. Wir verbinden damit  Recht, Ordnung, Hierarchie, Tugend und Folgsamkeit.  

Doch eine gute Haltung sollte sich lebendig, flexibel, weich und spielerisch anfühlen. 

Folgende Alternative biete ich dir an:

Übung zur Aufrichtung

Steh aufrecht, die Füße arallel und hüftknochenbreit, die Knie locker. Nimm dein Brustbein wahr und schicke das nach vorne oben an die Decke. Als wäre dein Brustbein durch eine unsichtbare Leine mit der Decke verbunden. Nun stehst du aufrecht, doch deine Schultern können locker und entspannt zur Seite hängen, der Nacken ist frei. Dein Zwerchfell kann sich bewegen und der Atem kann entspannt fließen. Auch deine Stimme kann entspannter, voller und runder klingen.

Man sieht das Gesicht des Löwen, den kraftvollen, wachen, aufmerksamen Blick, das ganz "Im-Moment-sein"

Die innere Haltung

Oft geht es in meinen Coachings um die "äußere" Haltung. Denn, wie gerade schon beschrieben, denn nur mit einer aufrechten Haltung kann sich das Zwerchfell frei bewegen, nur dann kann ich tief atmen und meine Stimme voll, frei und entspannt klingen. 

Doch meistens rückt zeitgleich die "innere" Haltung in den Fokus. 

Wie stehen wir zu einer Sache? Wie stehen wir zu uns selbst ? Trauen wir uns, unsere Meinung zu äußern?

In  diesem "Äußern" liegt alles drin, dann tritt die innere Haltung ins Außen, wir richten uns auf und nehmen einen Standpunkt ein. (Menschen mit einem starken Standpunkt stehen übrigens immer dabei mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Achte einmal darauf!)

Wie sehr diese beiden Haltungen zusammenhängen können wir bei Tieren beobachten. Da ist sofort an der Körperhaltung zu sehen, wie das Tier sich gerade fühlt oder wie seine Einstellung zum Gegenüber ist. 

Uns sollte klar sein, dass unser Gegenüber auch uns in Sekundenschnelle ansieht, wie wir zu einer Sache stehen oder wie wir uns fühlen. 

Unmut, Ärger, Ablehnung, Angst, Sorge, Zweifel, all dies zeigt sich in unserer Haltung. Und da unsere Haltung unsere Stimme maßgeblich beeinträchtigt, ist all dies auch sofort in unserer Stimme hörbar.

Die gute Nachricht ist: Das Pferd ist von beiden Seiten aufzuzäumen. Entweder  fühlen wir uns kraftvoll und selbstbewusst und halten uns dadurch aufrecht, oder wir nehmen eine aufrechte Haltung ein und die Kraft und das Selbstbewusstsein kommt hinterher. 

Nicht von ungefähr ist der erste Schritt hin zum aufrichtig sein die Aufrichtung. 

Auch hier habe ich eine prima Übung für dich. Ich habe mich bei den Olympischen Winterspielen inspirieren lassen, genauer, von den Bobfahrern. Hast du schon mal gesehen, wie diese sich vor dem Start auf den Körper klopfen, also, eher schlagen, um dann ganz motiviert Gas zu geben? Die Übung geht so:

Übung zur inneren Haltung:

Stell dich aufrecht, beide Füße parallel und hüftknochenbreit. Stampfe abwechselnd mit den Füßen fest auf den Boden, habe das Gefühl, du stampfst in den Boden. Verankere dich wie ein Fels.

Klopfe dich nun mit deinen flachen Händen ab. Das ist jetzt nicht das eher zarte Abklopfen, das du aus meiner Aufwärmung kennst, klopfe ruhiger etwas fester. Klopfe deine Brust, deine Arme, deinen unteren Rücken, dein Gesäß und deine Beine. Mach dich wach, spüre dich, nimm diesen kräftigen Körper wahr mit all seinen Muskeln, der dir hier gerade zur Verfügung und zur Seite steht. 

Jetzt hebe deinen Kopf, richte den Blick klar und direkt auf den Horizont. LÄCHLE. Strahl um die Wette!

Breite deine Arme aus, mit großer Spannung, bis in die ausgestreckten Finger hinein und sage laut (oder denke): "ICH KANN DAS!"

Verweile in dieser Haltung einen Moment, genieße die Kraft, die in ihr steckt. Dann lass die Arme sinken, achte jedoch darauf, dass du zwar Spannung raus nimmst, jedoch kraftvoll und aufrecht bleibst. Und tu beherzt und mutig den ersten Schritt in Richtung deiner nächsten Aufgabe.

Eine große Statue vor einem asiatischen Tempel, auf sein Schwert gestützt.

Was unsere Körperspannung mit unserer Präsenz zu tun hat

Dazu, wie deine Haltung und Körperspannung deine Präsenz beeinflussen,  möchte ich dir eine Geschichte erzählen:

Im Studium besuchte ich meinen damaligen Gesangslehrer im Sommer in Bayreuth. Er hat dort jahrelang bei den Wagner-Festspielen gesungen. Natürlich war mir klar, wie besonders das ist. Doch ich hatte keine Ahnung, WIE sehr! Dieses Haus ist extra für diese Musik erbaut worden, die Bühne kam mir riesig vor.

Nun kommen im sogenannten "Ring" von Wagner viele Götter vor, unter anderem jedoch auch Riesen.

Ich saß damals in einer Generalprobe, das ist die letzte Probe vor einer Aufführung. Normalerweise laufen diese Proben immer durch und werden nicht unterbrochen.

Die zwei Riesen standen nun auf der Bühne, mit Speer und großem Schild, hoch aufgerichtet und sangen. Mir schien, als wären sie mindestens drei Meter groß. Ich überlegte sogar, wie sie dies anstellten, mit Stelzen gar? Grandios sah es aus.

Doch plötzlich unterbrach der Dirigent die Probe sehr überraschend. 

Und was passierte?

Die beiden Riesen fielen in sich zusammen, wurden zu kleinen "Menschlein" und besprachen ganz locker, ob sie nach der Vorstellung noch ein Bier zusammen trinken gehen wollen.

Ich war sprachlos. Wie konnte das sein? Wie konnten 3 Meter großen Riesen in sekundenschnelle zu Menschlein zusammenfallen?

Und ich verstand:

Es war ihre Haltung. Ihre Körperspannung. Damit hatten sie die Illusion von übermenschlicher Größe erzeugt.

Das werde ich nie vergessen.

Präsenz hat ganz viel mit Spannung zu tun. Wir können diese Spannung üben und sie bewusst einsetzen, dem Raum und den Gegebenheiten anpassen. Das ist Bewusstwerdung und Training. Mehr nicht.

Wie unsere Haltung unsere Stimme beeinflusst

Eine Haltung einzunehmen, stärkt auch unsere Stimme ungemein.

Ich coache viele Frauen im Businessberuf. Die meisten sind selbstbewusste, kompetente, starke Frauen. Und doch sprechen sie mich immer wieder an und sagen: "Ich ärgere mich so oft, dass mir in wichtigen Gesprächssituationen die Stimme abhaut. Dass ich dann schrill oder piepsig werde. Wie kann ich das ändern?"

Dieses "Abhauen der Stimme" hat mit ihrer Haltung zu tun. Wir haben im Job häufig mit körperlich größeren, kräftigeren, selbstbewussten Männern zu tun. Sie bringen uns eine gewisse Körperspannung entgegen oder mit in den Raum. Achte darauf, dass du dich dann nicht klein machst, nutze diese Kraft und Spannung, um dich als Gegenüber aufzubauen. Richte dich auf, hebe den Blick, suche den Blickkontakt und halte ihn.

Achte auch darauf, dass dein Atem weiter fließt. Wenn er dir stockt, achte bewusst auf deinen Ausatem. Atme immer wieder ausführlich aus. Das hilft dir, deinen Atemfluss zur regulieren.

Bevor du sprichst, deine Meinung sagst, etwas vorschlägst: Setze beide Füße auf den Boden (auch, wenn du sitzt!), richte dich auf und spüre deine Sitzbeinhöcker (auch, wenn du stehst!). Atme einmal tief aus, hebe den Blick (damit fällt der Atem ein) und beginne dann erst zu sprechen. Vermeide es, hinauszuplatzen oder aus einer lässigen Haltung heraus zu sprechen. Wenn du deine Stimme besser kennst und trainiert hast, dann geht auch dies, doch wenn nicht: Sorge für eine gute Haltung, einen stabilen Stand und einen tiefen Atem.

Oft ist dieser Begriff "Haltung einnehmen" noch aus Militärzeiten negativ geprägt. Dann hatte die Haltung etwas Starres, Unnachgiebiges, Enges. Doch Haltung ein- oder anzunehmen ist etwas Gutes, Gesundes und Kraftvolles.

Daran sollten wir uns immer erinnern.

(Haltung hat auch etwas mit Balance zu tun. Wenn du magst, lies den Artikel "Balance in der Kommunikation" dazu.  )

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Und nun: Richte dich auf und und tu mutig den ersten Schritt Richtung deiner nächsten Herausforderung. Sei deine Haltung!

Wir sehen uns in den Socials,

Wibke..

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